Österreich gegen Spanien im Blindenfußball

Da ich vor kurzem auf einem Fußballmatch war – nein, nicht die EURO 2024 – sondern auf einem Blindenfußball-Match, möchte ich euch heute etwas darüber erzählen. 

Ich habe auf Instagram auf der Seite für Blindenfußball einen Beitrag entdeckt, wo für Freitag und Samstag zu Spielen Österreich gegen Spanien eingeladen wurde.

Am Freitag Nachmittag sind meine Eltern und ich gleich zum Hopsastadion gefahren. Um 17 Uhr begann das Freundschaftsspiel. Eine halbe Stunde vorher begannen die österreichischen und die spanischen Damen mit dem Aufwärmen.

Beim Blindenfußball gelten etwas andere Regeln als beim herkömmlichen Fußball, die ich euch kurz vorstellen möchte.

Die Regeln habe ich aus der „Blindenfußball Bundesliga“ (https://www.blinden-fussball.de/) kopiert:

Das Spielfeld ist kleiner und misst 20 x 40 Meter und die Seiten sind mit Banden begrenzt.

Spielzeit: Die Spielzeit beträgt zweimal 15 Minuten mit einer zehnminütigen Pause. Jedem Team steht pro Halbzeit eine Auszeit von einer Minute zur Verfügung. Gemessen wird nur die effektive Spielzeit.

Voy: Jeder gegnerische Spieler, der sich dem ballführenden Spieler nähert, muss „Voy“ (Spanisch: „Ich komme“) rufen. Bleibt der Ruf aus, wird dies als persönliches Foul geahndet.

Trainer/Guides: Torwart, Trainer und Guide dürfen Anweisungen nur in ihren fest definierten Zonen geben. Werden diese Zonen nicht eingehalten, kann dies als Teamfoul geahndet werden.

Foul: Persönliche Fouls sind Grätschen, Nachtreten, Handspiel, fehlendes „Voy“, zu aggressives „Voy“-Rufen oder das zu weite Ausstrecken der Hände. Nach dem fünften persönlichen Foul eines Spielers muss dieser das Feld verlassen, darf allerdings ersetzt werden. Alle persönlichen Fouls werden in der Teamfoulwertung zusammengefasst. Ab dem fünften Teamfoul gibt es einen Acht-Meter-Freistoß. In der Halbzeit eines Spiels wird die Teamfoulwertung wieder auf Null zurückgesetzt.

Frei- und Strafstöße: Bis die Teamfoulgrenze von sechs Teamfouls innerhalb einer Halbzeit erreicht ist, gibt es nach jedem persönlichen Foul einen Freistoß. Ab dem fünften Teamfoul gibt es für jedes weitere Foul einen Freistoß aus acht Metern Entfernung. Einen Strafstoß aus sechs Metern Entfernung gibt es bei Fouls innerhalb des Strafraumes, bei Berührung des Balls außerhalb des Zwei-Meter-Raumes durch den Torwart oder wenn dieser den Torraum während eines Angriffs verlässt.

Auswechslungen: Es darf während eines Spiels unbegrenzt oft bei Spielunterbrechungen gewechselt werden.

Bevor das Spiel losgeht und generell vor jeden Anpfiff überprüft der Schiedsrichter, ob die Spielerinnen ihre Augen verklebt haben und ihre blickdichte Brille gut sitzt. Das ist notwendig, damit alle Spielrinnen die gleichen Voraussetzungen haben. Wenn man blind ist, gibt es nämlich verschiedene Grade von Blindheit.

Es spielen vier gegen vier Spielerinnen und je eine Torfrau. Die Torfrauen sind nicht blind, da sie die Aufgabe des Guides in der Verteidigung haben. Außerdem könnten sie sonst keinen Ball vorm Tor aufhalten. Für sie gelten daher strenge Regeln und haben nur einen begrenzten Spielbereich unmittelbar vorm Tor.

Der Ball hat eine Rassel integriert, damit die Spielerinnen ihn hören können. Die Spielerin, die sich dem Ball nähert, muss immer „Voy“ sagen, damit die anderen wissen, dass jemand auf sie zukommt. (siehe oben)

Wir konnten direkt am Spielfeldrand stehen und alles genau beobachten und bekamen von Insidern die Regeln erklärt. Dazu gehörte auch, dass die Zuschauer leise sein mussten, damit die Spielerinnen den Ball hören konnten. Wir durften sie also nicht anfeuern und nur kurz klatschen, wenn ein Tor geschossen wurde.

Interessant war, dass die Spielerinnen den Ball mit den Fersen leicht vorwärts zwischen ihren Beinen hin und her spielten, um ihn nicht zu verlieren. Ich fand es faszinierend, wie manche Spielerinnen mit dieser Technik so schnell laufen konnten. Die gegnerische Mannschaft versuchte meistens entlang der Banden, den Ball zurückzugewinnen. Da wurde intensiv „gefußelt“, um den Ball zu bekommen!

In der ersten Halbzeit gab es harte Kämpfe, aber keine Tore. Der spanische Trainer gab ständig lautstarke Anweisungen an seine Spielerinnen, während der österreichische Trainer eher ruhig war. Das hat mich ein bisschen verwundert.

Während der Pause wurde besprochen, was die Spielerinnen verbessern könnten. Erwähnenswert ist, dass es auch die Möglichkeit gibt, innerhalb der Spielzeiten eine kurze Auszeit oder Trinkpause zu machen.

Kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit war das Spiel sehr spannend und Daniela Angerer von der Österreichischen Mannschaft konnte ein Tor schießen. Dabei blieb es auch und somit hatte Österreich mit 1:0 gegen Spanien gewonnen. Nach dem Spiel wurden Gruppenfotos beider Mannschaften getrennt und gemeinsam gemacht.

Wir konnten anschließend selber versuchen mit dem rasselnden Ball blind zu spielen.  Da ich ja auch hörbehindert bin, war es für mich schwierig mich zu orientieren, obwohl ich den Ball gehört habe. Das Richtungshören ist bei einer Hörbehinderung nämlich eine zusätzliche Herausforderung. Insofern kann ich mir nicht vorstellen, selber Blindenfußball zu spielen. Schade!

Nach dem Spielen trafen sich beide Mannschaften noch zum Abendessen, und wir durften mitgehen. Aber es war schwierig zu plaudern, weil es sehr laut war. Ich konnte mich dennoch ein bisschen mit den anderen unterhalten, da meine Mutter mir in Gebärdensprache übersetzt hat, was die anderen gesagt haben. Es war ein sehr schöner und interessanter Nachmittag und ein schöner Abend. Mir hat es sehr gut gefallen und ich komme gerne wieder zum nächsten Spiel!

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