Taubblindencamp in St. Gilgen

In diesem Blog geht es um das Taubblindencamp, das an einem Wochenende im April stattgefunden hat. Es gab ein dichtes Programm speziell für hörsehbehinderte Menschen, also super für mich!

Am Freitag bin ich mit einer Taubblinden Assistentin mit dem Zug von Wien nach Linz gefahren. Dort haben wir andere taubblinde und hörsehbehinderte Menschen und einige Assistentinnen getroffen. Gemeinsam sind wir mit dem Bus nach St. Gilgen am Wolfgangsee gefahren.

Insgesamt waren wir 16 Taubblinde Menschen und 35 Begleiter, Assistentinnen, Dolmetscher und Schülerinnen. Nach einem gemeinsamen Mittagessen haben wir die Zimmer bezogen, die einfach aber nett eingerichtet waren. Ich war mit einem netten hörsehbehinderten Mädchen im Zimmer.

Danach wurde das Camp eröffnet und über Organisatorisches gesprochen.

Gleich danach gab es einen Workshop, wie man mit einem Blindenstock umgeht.

Eine taubblinde Person hat erklärt, wie man den Blindenstock richtig hält und ihn benutzt. Er wurde im Laufe der Zeit immer weiterentwickelt und hat jetzt eine Kugel an der Spitze, mit der man den Boden vor sich leichter erkunden kann, indem man den Stock hin- und her bewegt. Damit kann man unterscheiden, wie der Grund beschaffen ist, ob es z.B. eine glatte Straße, eine Wiese oder ein Schotterweg ist. Außerdem kann man Hindernisse mit dem Blindenstock erkennen und rechtzeitig ausweichen. Es war wirklich sehr interessant.

Am Abend gab es verschiedene Spiele für taubblinde Menschen, die ich natürlich gerne ausprobiert habe. Bei den meisten Spielen geht es ums Fühlen, z.B. ein Kreis und ein X in 3D gedruckt zum Tik-Tak-Toe spielen, oder ein Memory, bei dem man 2 gleiche Gegenstände ertasten musste. „Mensch ärgere dich nicht“ und „Mühle“ auf einem Holzspielbrett mit Vertiefungen und Spielfiguren, oder ein Labyrinth, das man mit einem Stab erkunden konnte.

Bei einem anderen Spiel genannt „Turm-Labyrinth“ musste man einen Gegenstand wirklich sehr lange aufdrehen und dabei auf das Muster achten, um etwas kleines Süßes zu finden. Aber das hat - glaube ich – niemand geschafft, weil man soooooo lange drehen musste.

Am lustigsten fand ich ein Spiel, bei dem man eine Schlafmaske aufsetzen musste, damit wirklich alle nichts sehen konnten. Dann ging man entlang einer Schnur und musste einen Ball von einem Kübel, der auf einem Tisch stand, in einen anderen Kübel geben. Wer am schnellsten war, hat gewonnen. Ich wollte natürlich gewinnen und bin so schnell gegangen, dass ich jedes Mal gegen den Tisch gerannt bin. Dabei musste ich so lachen und habe ich tatsächlich blaue Flecken bekommen.

Andere Spiele waren zum Riechen und Schmecken: Eines bestand aus sechs Gerüchen, die man erraten musste. Dann gab es sogar etwas zum Trinken – ein Lavendelgetränk, aber mir hat es nicht so gut geschmeckt.

Samstag
Am Samstag besuchten wir das Europakloster Gut Aich. Zuerst bekamen wir eine Führung in der Kirche und im Kräutergarten. Dann gab es eine Verkostung der Hausmarke „Salvamaro“ von bitteren Kräutersäften oder Likören. Zwei Sorten haben mir gut geschmeckt, eine aber nicht, die war viel zu bitter.

Am Nachmittag war ein Vortrag über das Thema „Deafblind Slam“ - angelehnt an den Poetry Slam – geplant, weil am Abend eben ein „Deafblind- Slam“ sattfinden sollte. Es war sehr interessant.

Danach nahm ich an einer Schnitzeljagd teil, die mir sehr viel Spaß gemacht hat. Es war gut, an der frischen Luft direkt am Wolfgangsee zu sein. Jede der 6 taubblinden Personen war mit einer Assistenz zusammen. Zuerst haben wir das Haus (UG, EG, OG) und den Außenbereich auf einer 3D- Schablone ertastet, um uns zu orientieren. Jeder bekam einen Umschlag mit einem Zettel, der angab, wohin wir zuerst gehen mussten. Insgesamt gab es 12 Stationen. Ich war nach einer halben Stunde als Zweite fertig.

Am Abend haben vier Personen ihren „Deafblind Slam“ vorgestellt. Ihre Auftritte und ihre Geschichten waren sehr informativ.

Danach gab es eine Disco -auch für Gehörlose. Für mich war es neu, dass die Assistentinnen und Dolmetscher die Musik und den Text in Gebärdensprache dargestellt haben. Dazu musste der Raum natürlich hell bleiben, was für mich ungewohnt war. Es haben viele Leute getanzt, ich habe meistens nur zugeschaut, aber es war sehr lustig.

Am Sonntag fand zuerst die Siegerehrung für die Schnitzeljagd statt.

Dann gab es einen Vortrag über eine Ausstellung in Wien über haptische Kunst, die ich selbst besucht habe. Ich fand es sehr interessant, mehr Details darüber zu erfahren, vor allem, wie die Ausstellung aufgebaut wurde. Als Andenken hat jeder von uns einen 3D-gedruckten Seestern bekommen.

Am Nachmittag besuchten wir die Lebenswelt in Pinsdorf – das ist eine Behinderteneinrichtung vor allem für gehörlose, taubblinde oder mehrfachbehinderte Menschen. Wir haben eine kleine Führung über die Herstellung von Keramik, Holz und Korbflechten bekommen. Nach Kaffee und Kuchen ging es zurück nach Linz und danach mit der Taubblindenassistentin weiter nach Wien.

Mein Fazit:
Mir hat es sehr gut gefallen und ich habe mich dort sehr wohl gefühlt. Es war sooo schön, nicht die Einzige mit einer Hörsehbehinderung zu sein, und dass speziell auf die doppelte Behinderung eingegangen wurde.

Bisher war ich ja meistens nur auf Sportwochen für Sehbehinderte und Blinde, und ich war die Einzige mit zwei Behinderungen. Außerdem war es für mich neu, nicht Sport zu machen, sondern an Vorträgen, Führungen und Spielen teilzunehmen.

Ich finde es schade, dass das Taubblindencamp erst in zwei Jahren wieder stattfindet. Es war einfach so schön, endlich verstanden zu werden und Menschen mit den gleichen oder ähnlichen Erfahrungen zu treffen und zu plaudern. Wir wurden so toll von den vielen Assistenten und Assistentinnen unterstützt, dass ich endlich das Gefühl bekommen habe, dazuzugehören. Ich war endlich nicht die Einzige mit einer Hörsehbehinderung und fühlte mich nicht ausgeschlossen, sondern als Teil der Gruppe. Das war echt super!

Ich hoffe, der Beitrag war spannend für euch!
Hier ist der Link zum Video: https://youtu.be/MsyHmQHw23I?si=4tn-B7Hmv78ZF_rZ

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Toiletten in Japan

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Mein Wunsch nach Freundschaft