Hörsehbehindert Schifahren???

In diesem Blog geht es darum, wie ich mit meiner doppelten Behinderung Schifahre.

Ich liebe es Schizufahren! Es ist meine größte Leidenschaft, schnell die Berge hinunter zu kurven.

Wie bin ich zum Schifahren gekommen? In Österreich ist es typisch, von klein an Schifahren zu gehen, aber meine Eltern wussten nicht, ob ich das schaffe. Als ich 6 Jahre alt war, haben sie es einfach mit mir probiert und mich zwischen ihre Beine genommen – und es hat mir von Anfang an gut gefallen!

In meiner ersten richtigen Schiwoche hatte ich einen eigenen Schilehrer, weil meine Eltern sicher gehen wollten, dass ich gut aufgehoben bin. Das hat so gut funktioniert, dass ich in der Gruppe mit anderen Kindern mitfahren konnte.

Ich erinnere mich, dass ich schneller fahren wollte als die anderen und einfach am Hang daneben vorgefahren bin. Die Schilehrerin hat dann ordentlich mit mir geschimpft.

Ein Problem beim Schifahren war der Helm. Ich hatte damals Hörgeräte und durch den Helm gab es ständig Rückkoppelungen, weshalb meine Hörgeräte ständig gepiepst und gequietscht haben. Ich habe sie dann zum Teil auch gar nicht getragen, weil das sehr gestört hat.

Am Ende vom Schikurs gab es immer ein Schirennen, aber zu Beginn habe ich nicht verstanden, was das wirklich bedeutet.

Wenn es etwas Unbekanntes und Neues in meinem Leben gab, hat meine Mutter mir immer aufgezeichnet, was ich tun sollte. Also hat sie einen Hang mit roten und blauen Toren gemalt, und mir erklärt,  dass ich abwechselnd durch die Tore fahren muss.

Ich konnte zwar die Sprache noch nicht verstehen, aber gut genug sehen, um zu wissen, was ich tun sollte. Durch die Zeichnungen meiner Mutter konnte ich Schritt für Schritt besser begreifen, was ich machen soll oder was etwas bedeutet und so wurde ich bei jedem Schirennen immer besser.

Seit ich 13 Jahre alt war, habe ich jedes Jahr bei der Wintersportwoche für sehbehinderte und blinde Kinder und Jugendliche teilgenommen. Zuerst fanden sie in Hochficht und dann in Hintermoos statt.

Jedes Kind und jeder Jugendliche hatte seinen eigenen Guide, mit dem es jeden Vormittag und Nachmittag gefahren ist. Der Guide und die blinde Person tragen dabei Shirts mit der Aufschrift „Blind“ bzw. „Sehbehindert“ und „Guide“.

Der Guide ist ein Begleitsportler, der dem Sehbehinderten oder Blinden vorfährt und über ein Mikrofon Kommandos gibt, wann man einen Schwung machen oder stehen bleiben soll. Dafür sind im Helm von beiden Headsets montiert, über die man miteinander sprechen kann. Das war für mich eine besondere Herausforderung, da jetzt zusätzlich zum Hörgerät auch noch das Headset im Helm gekommen ist. Das Montieren war ein bisschen mühsam, aber wir haben es geschafft.

Mit den Cochlea Implantaten musste ich einen neuen, weicheren Helm kaufen, damit ich die Prozessoren darunter tragen kann. Zusätzlich trage ich immer eine Sturmhaube unter dem Helm, damit die Prozessoren nicht verrutschen.

Mein Guide ist total nett! Er war mein Turnlehrer in der Schule und konnte auch die Gebärdensprache. Das war super, weil er sich sowohl mit meiner Sehbehinderung, als auch mit meiner Hörbehinderung sehr gut auskennt. Er hat mir sehr viel beigebracht.

Bald konnte ich den Parallellschwung, aber am Anfang nur die rechten Kurven gut fahren. Da ich am linken Aug ja nichts sehe, hatte ich bei der Linkskurve ein bisschen Angst. Erst später konnte ich beide Kurven gleich gut fahren.

Bei der Wintersportwoche gab es jedes Jahr am letzten Tag ein besonderes Schirennen. Das funktioniert so: Es gibt zwei Durchgänge, bei denen nicht die Geschwindigkeit entscheidet, sondern die geringste Zeitdifferenz zwischen beiden Durchgängen. Man muss also in beiden Fahrten gleich schnell sein.

In Hintermoos habe ich sogar zweimal gewonnen – und darüber war ich natürlich sehr glücklich.

In der Schulzeit bin ich auch noch mit der Schule auf Schikurs gefahren. Das war für mich sehr cool, weil ich dann insgesamt vier Wochen in Jahr Schifahren konnte.

Wenn ich mit meiner Familie Schifahre, darf ich kurze Strecken alleine fahren, aber nur, wenn keine Leute unterwegs sind. Sonst fährt meine Mutter oder mein Vater vorne und ich dahinter. Weil ich auf dem linken Auge nicht sehe, kann ich Leute, die von hinten links kommen, nicht erkennen – von rechts aber schon. Daher fährt meine Mutter oder mein Vater auch hinter mir, um mich vor anderen Schifahrern zu schützen.

Zum Schluss sage ich euch noch eine App:  sie heißt Ski Tracker – damit kann man die Geschwindigkeit, die Fahrzeit und die Pausenzeit sehen. Meine schnellste Geschwindigkeit ist 79,5 km/h ! PSST! Sagt es nicht weiter, meine Mutter und mein Guide schimpfen sonst mit mir! 😉

Ich hoffe, der Beitrag gefällt euch und ihr habt über hörsehbehinderung beim Schifahren etwas gelernt.

Hier ist der Link zum Video: https://youtu.be/KzVVF0AelFw?si=QLUqH3TMpT5eJ2_m

Zurück
Zurück

Musik hören mit CIs

Weiter
Weiter

Mein Alltag mit doppelter Behinderung.