Öffis in Japan mit Hörsehbehinderung

Ich war im Mai drei Wochen in Japan. In diesem Blog geht es darum, wie es für mich in Japan als Hörsehbehinderte war und welche Schwierigkeiten es gab.

Ich habe in Japan Rundreise gemacht, dabei viel erlebt und gesehen, was dort anders ist als bei uns. Nachdem wir überall mit dem öffentlichen Verkehrsmittel gereist sind, geht es heute genau darum.

Für mich als Hörsehbehinderte war das Schwierigste, dass es in Japan überall Hintergrundgeräusche gibt – egal ob in der U-Bahn, in U-Bahn-Stationen, im Restaurant, in Geschäften oder sogar im Lift. Ununterbrochen werden Durchsagen gemacht, es ertönen Signale oder es wird Musik gespielt. Auf der Straße ist es natürlich auch laut, weil sehr viele Menschen und Fahrzeuge unterwegs sind.

Das finde ich sooo mühsam! Da verstehe ich gar nichts mehr und kann mich überhaupt nicht unterhalten. Dort wäre die Gebärdensprache ein absolutes Muss!

Was ich gut finde, ist, dass in den U-Bahn-Stationen überall Markierung sind, die helfen, den richtigen Weg zu finden. Gleich beim Abgang zur U-Bahn kann man am Boden sehen, auf welcher Seite man gehen soll. Das hilft sehr, damit man anderen Personen nicht ständig ausweichen muss. Aber man geht nicht immer auf der gleichen Seite, das war manchmal verwirrend, aber mit den Markierungen leicht zu erkennen.

Für blinde Menschen gibt es überall breite gelbe Leitstreifen mit relativ großen Vertiefungen. Wenn man stehenbleiben soll oder es eine Abzweigung gibt, sind statt den Streifen erhöhte Punkte am Boden, was ich super finde. Nur wenn ich meinen Koffer nachgezogen habe, waren die starken Vertiefungen ein kleines Hindernis.

Weitere bunte Markierungen am Boden zeigen an, in welche Richtung man zu seiner jeweiligen U-Bahn kommt, vor allem, wenn mehrere U-Bahnen an einer Station zusammenkommen. Das war sehr praktisch. Es gab natürlich auch Beschriftungen, aber nicht immer in Englisch.

Wenn man dann am richtigen Bahnsteig ist, gibt es wieder Markierungen und sogar Beschriftungen, wo und wie man stehen soll, und das bei jeder einzelnen Zugtüre. Die Züge und Wagen sind alle nummeriert, sodass man gleich beim richtigen Wagen einsteigen kann und auch soll, damit bei so vielen Menschen das Aus- und Einsteigen schneller geht.

An den Wänden in den Stationen stehen Informationen, wie viele Wagen und Reihen der Zug hat, und wie er innen aussieht, damit man sich gleich zurechtfindet und – im Zug - gleich zu seinem Platz kommt.

Für sehbehinderte und blinde Menschen ist das allerdings sehr schwierig, weil sie das alles nicht oder nur schwer sehen und ohne Begleitung wahrscheinlich kaum zurecht kommen können. Ich musste immer länger schauen, welcher Wagen es ist und wo er sich befindet, damit ich weiß, wo ich mich hinstellen soll.

Die U-Bahnen sind sehr pünktlich, die Shinkansen Züge sogar extrem pünktlich und fahren auf die Sekunde genau ab. Wenn einer unter eine Minute zu spät abfährt oder ankommt, wird das schon als Störung empfunden. Das finde ich echt beeindruckend. Wir hatten in den 3 Wochen nur ein einziges Mal eine Zugverspätung.

Daher benutzen sehr viele Japaner den Zug: weil er so schnell und pünktlich fährt. Auf den Straßen gibt es daher auch weniger Stau.

Super hab ich gefunden, dass sich die Japaner überall in der Schlange anstellen, geduldig warten und nicht drängen. Das würde ich mir bei uns auch wünschen!

Die Anzeigen in den Bahnhöfen haben oft zwischen japanisch, anderen Sprachen und englisch gewechselt, aber ich habe es gut gesehen. Auch die kleineren Anzeigen direkt am Bahnsteig konnte ich mit Hilfe von meinem Handy gut lesen.

In den U-Bahnen sind in den Wagen Bildschirme, die in mehreren Sprachen anzeigen, welche Station als nächstes kommt. Das hat uns sehr geholfen.

Witzig fand ich, dass jede U-Bahnlinie eigene ziemlich lange Signaltöne – eigentlich eine kleine Melodie -  hat, wenn die Türen auf- oder zugehen. Dadurch und die vielen Lautsprecherdurchsagen – welche Station als nächstes kommt, Umsteigemöglichkeiten und Warnungen vor dem Türeschließen – war es ständig laut, obwohl die Japaner selbst sehr leise waren.

Auch auf der Straße, wenn man bei einer Ampel über die Straße gehen möchte, gibt es Signaltöne:  Wenn die Ampel grün wird, beginnt ein Vogelgezwitscher -  das finde ich witzig. Auch hier gibt es an den meisten Stellen Leitstreifen, was sehr praktisch ist.

Bei den Bussen funktioniert das ein bisschen anders. Hier sind die Beschriftungen meist nur in japanisch, außer die Nummern.

In manchen Bussen muss man entweder vorne oder hinten einsteigen, je nachdem ob es einen fixen Preis für alle Distanzen gibt, oder ob man nach der Anzahl der Stationen bezahlen muss. Das ist vorher aber nicht angeschrieben.

Aussteigen muss man dann jeweils am anderen Ausgang. Zahlen kann man entweder mit einer IC-Karte (wir hatten die Suica Karte) oder man muss das Geld pro Person ganz genau in bar haben und dem Busfahrer beim Aussteigen geben.

Wenn man nach Stationen zahlt, steht im Bus auf einer Anzeige vorne beim Fahrer, wie viel man zahlen muss.

Ich als Sehbehinderte konnte die Anzeige nicht lesen, und hätte nicht gewusst, wieviel ich bezahlen muss. Außerdem ist es für Sehbehinderte schwierig in bar zu zahlen, weil sie länger brauchen die richtigen Münzen zu suchen und dem Busfahrer zu geben. Auch das Aussteigen ganz vorne kann schwierig werden, wenn der Bus ganz voll ist.

Aber wir haben alles geschafft!

 Ich hoffe, der Beitrag war interessant und spannend für euch!
Hier ist der Link zum Video: https://youtu.be/DHihK6PJSKQ?si=XSlsE1i5UMcK632C

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Toiletten in Japan